Märchenhistorie als kollektive Bewusstseinsentwicklung

Gretel und Hänsel heilen die Hexe - 4: Sonderausgabe
Die Märchen des neuen Zeitalters

Nach der Überarbeitung vom grimmschen „Hänsel und Gretel“ zum neuen „Gretel und Hänsel“ mit vier weiteren Fortsetzungsmärchen und „Schneewittchen und die 7 Zwerge“ zu „Schneewittchen heilt die Königin“ sollte ich mir auch noch „Rotkäppchen und der böse Wolf“ ansehen. Zu diesem Märchen fällt auf, dass es mehrere, insbesondere drei, unterschiedliche Überlieferungen und verschiedene Interpretationen gibt, die den Märcheninhalt beeinflusst haben. Wenn ich bei „Hänsel und Gretel“ ebenso wie bei „Schneewittchen und die 7 Zwerge“ davon ausging, dass Bewusstseinsinhalte vermittelt werden, werden diese bei „Rotkäppchen und der böse Wolf“ von den gesellschaftlichen Zielsetzungen überlagert. Woran liegt das?

Das Märchen „Rotkäppchen und der böse Wolf“ ist so alt, dass die Menschen mit der ursprünglichen Märchenbotschaft nichts mehr anzufangen wissen, weil diese ihrem Bewusstseinszustand nicht mehr entspricht. Deshalb wurde das Märchen oberflächlich fortgesetzt und für gesellschaftliche Erfahrungen verwendet. Diese reichen von alten Initiationsriten über Werwolf-Ängste und einem Gegeneinander von Lust- und Realitätsprinzip bis hin zur moralischen Abschreckung als Warnung vor Sittenstrolchen und pädagogischer Erziehung zum Gehorsam.[1]

Tatsächlich beschreibt „Rotkäppchen und der böse Wolf“ ein Märchenbewusstsein noch vor der Herrschaft des karmischen Dominanzsystems des alten Zeitalters. Es befindet sich mitten im Ringen um seine Ausrichtung, was von Menschen mit bereits auf das karmische Dominanzsystem bezogenem Bewusstsein nicht mehr nachvollzogen werden kann. Zugleich gibt dieses Ringen der Märchenbotschaft eine Offenheit, die Raum für unterschiedlichste oberflächliche Interpretationen lässt.

Beispielsweise wird die Großmutter (die weise Alte in „Gretel und Hänsel“) in der ursprünglichen Märchen-Bewusstseinsbotschaft zunächst als so gesund beschrieben, dass sie Rotkäppchen mit der roten Kappe als Lebenskraft nährt, nur um gleich darauf als krank und schwach fortgesetzt zu werden. Nun muss sie in universell-irdischer Verdrehung von der Mutter (innere Frau) durch Rotkäppchen aus dem irdischen Bewusstseinsanteil heraus versorgt werden.

Ebenso wird Rotkäppchen in dem Märchen nicht festgelegt. So kann der Wolf es auf dem Weg zur Großmutter nicht fressen, weil es zu stark ist. Rotkäppchen hat noch den Zugang zur Freude, wird aber zugleich durch diese von ihrem Weg, das heißt dem Zugang zur weisen Alten, abgelenkt; dies wiederum nur vorübergehend. Im Haus der Großmutter funktioniert ihre Intuition noch so weit, dass sie gewarnt wird. Dennoch kann Rotkäppchen ihrer Intuition aber schon nicht mehr folgen, sodass sie gefressen wird.

Typisch für ein noch sehr frühes Bewusstsein ist auch der sehr starke (mit der Großmutter und Rotkäppchen doppelt besetzte) zarte weibliche Übergang und das nahe Beieinander der Bewusstseinsinhalte. Wie bei New Age Seelen üblich fließen in der Märchenfigur Rotkäppchen der seelisch-zarte weibliche Übergang und das innere Kind ineinander. Auch wird der Jäger als bodenständiger innerer Mann im damaligen kollektiven Märchenbewusstsein noch als so dicht bei der Großmutter und Rotkäppchen wahrgenommen, dass er diese aus dem Bauch des Wolfes befreien kann.

Damals kollektiv eindeutig wahrgenommen und beschrieben wird in dem Märchen nur der Wolf als karmisches Dominanzsystem. Dieses befindet sich im Märchenbewusstsein in den Anfängen seiner Machtübernahme. Sein Ziel ist die alleinige Herrschaft im Bewusstsein durch Vereinnahmen (fressen) des zarten weiblichen Überganges in Form von Großmutter und Rotkäppchen. Inwieweit dies schon im ursprünglichen, mündlich überlieferten „Rotkäppchen und der böse Wolf“ tatsächlich gelingt, bleibt unbekannt, weil insbesondere das Märchenende später durch oberflächlich motivierte Märchenfassungen überlagert wurde.

Gesamtgesellschaftlich ist dem karmischen Dominanzsystem jedenfalls spätestens nach „Rotkäppchen und der böse Wolf“ die vollständige Machtübernahme im kollektiven Bewusstsein gelungen. Wie diese durchgeführt wurde, beschreibt das Märchen „Schneewittchen und die 7 Zwerge“. Nur noch vorübergehend aus der ursprünglichen universellen Anbindung heraus genährt, geht das Endbewusstsein von „Schneewittchen und die 7 Zwerge“ folgerichtig zunehmend in den Mangel-Ausgangszustand von „Hänsel und Gretel“ über. Auch wenn die individuellen und in den einzelnen Ländern kollektiven Bewusstseinszustände vielfältig bleiben, befindet sich das Weltbewusstsein des alten Zeitalters inzwischen stabil im Mangelbewusstsein von „Hänsel und Gretel“. Deswegen holt das neue Zeitalter die Menschen bei „Hänsel und Gretel“ ab, korrigiert dieses Märchen zu „Gretel und Hänsel“ und vermittelt durch die Fortsetzungsmärchen eine gesunde Bewusstseinsentwicklung.

Nachdem die bisherigen Märchen „Rotkäppchen und der böse Wolf“ und „Schneewittchen und die 7 Zwerge“ die kollektive Bewusstseinsentwicklung bis hin zu dem Mangelausgangszustand in „Hänsel und Gretel“ vermittelt haben; wie geht es von da aus weiter? Welche Lösung, aus diesem Mangelzustand wieder herauszukommen, bietet „Hänsel und Gretel“ an? Das Märchenbewusstsein von „Hänsel und Gretel“ erkennt richtigerweise, dass der innere Reichtum nur aus der universellen Anbindung, das heißt von der Hexe, zu bekommen ist. Zugleich möchte das karmische Dominanzsystem aber seine Macht behalten und tötet daher die Hexe, um an ihren Schatz zu kommen.

Diese Märchenlösung ist eine üble Schuldverschiebung hin zum Weiblichen. Das karmische Dominanzsystem mit seiner Abtrennung vom Universellen aufgrund seines Machtanspruches ist verantwortlich für den Mangel im irdischen Bewusstsein, d.h. für die Armut der Holzfällerfamilie im Märchen „Hänsel und Gretel“. Doch verantwortlich wird die Hexe gemacht und dafür verbrannt. Diese Schuldverschiebung beginnt bereits im Märchen „Schneewittchen und die 7 Zwerge“ mit der Königin in den glühenden Schuhen und wird von mir dort erklärt. In „Hänsel und Gretel“ wird die Schuldverschiebung durch die Verbrennung der Hexe fortgesetzt und stabilisiert.

Zugleich ist die Lösung im Märchen „Hänsel und Gretel“ noch nicht einmal möglich. Ohne universellen Zugang gibt es keinen inneren Reichtum im irdischen Bewusstseinsanteil. Ohne die Hexe gibt es keinen Schatz; dieser verbrennt mit ihr zusammen. Von ihrem Reichtum kann die geheilte Hexe als weise Alte nur freiwillig geben, so wie ich es im überarbeiten Märchen „Gretel und Hänsel“ korrigiere.

Was ist von den Märchen des alten Zeitalters zu lernen? Hauptsächlich wie man es nicht und stattdessen besser macht. Deswegen habe ich „Schneewittchen und die 7 Zwerge“ zu „Schneewittchen heilt die Königin“ und „Hänsel und Gretel“ zu „Gretel und Hänsel“ überarbeitet und die Fortsetzungsmärchen zu „Gretel und Hänsel“ als Märchensammlung „Gretel und Hänsel heilen die Hexe“ geschrieben – als Anleitung für eine gesunde kollektive Bewusstseinsentwicklung. Musubi führt durch das weibliche Spirituelle System in den neuen Märchen die Menschheit in dieses gesunde Bewusstsein hinein.

Berlin, den 24.6.2022, Ayleen Lyschamaya, Musubis weibliche Gestaltungskraft

Märchenprojekt Schneewittchen

Märchenprojekt Schneewittchen

Märchenprojekt Schneewittchen

Weiter zu meinen Märchen und Büchern des neuen Zeitalters


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Rotk%C3%A4ppchen