Der kritische Blog von Matthias Pöhm beruht auf spirituellem Irrtum

Spiritueller Weg : Die Erleuchteten werden am unvollständigen spirituellen Weg der herkömmlichen Erleuchtung gemessen

Immer wieder begegnet einem der Blog[1] von Matthias Pöhm, wenn es um Kritik an erleuchteten Spirituellen Meisterinnen und Meistern (Gurus) geht. Deswegen möchte ich deutlich machen, dass dieser Blog selber nichts weiter als auf einem spirituellen Irrtum beruht, nämlich auf dem Irrtum der Trennung von Göttlich und irdisch.

Die Erwartungshaltung an Erleuchtete geht auf dem derzeitigen menschlichen Entwicklungsniveau dahin, dass Erleuchtete nur noch ihren göttlichen Bewusstseinsanteil leben und ihren irdischen Bewusstseinsanteil aufgegeben haben. Tatsächlich ist dies aber gar nicht möglich, weil das vollständige Bewusstsein nach wie vor das Ego enthält. Dieses ist mit der Am-Ziel-Erleuchtung als eine vollständige, gesunde, kooperative innere Familie mit karmischer Kraft und Körper (siehe auch Körperpsychotherapie) ins Göttliche integriert. Erst dieser Zustand ist das Ende des vollständigen spirituellen Weges.

Insofern überrascht es nicht, wenn Matthias Pöhm bei allen Erleuchteten mehr oder weniger berechtigte Kritikpunkte findet. Nicht die Erleuchteten sind „falsch“ oder nicht erwacht, sondern die Erwartungshaltung, die an sie gestellt wird und die sie vielleicht auch selber haben, ist falsch.

Soweit ersichtlich, beurteilt Matthias Pöhm Erleuchtete vor allem anhand von drei Kriterien:

  • Ich-Losigkeit: Erleuchtete sollen ihr Ego ganz und gar aufgegeben haben. Das ist jedoch nicht möglich, weil das Ego naturgemäß zum vollständigen transzendenten Bewusstsein der Menschen gehört. Wenn Matthias Pöhm das Ausmaß einer Ego-Verdrängung zum Maßstab für Erleuchtung erhebt, befindet er sich damit allerdings im allgemeinen spirituellen Irrtum des derzeitigen menschlichen Bewusstseinsniveaus.
  • Angst-Losigkeit: Inwieweit Matthias Pöhm davon ausgeht, dass Erleuchtete gar keine Angst mehr haben oder zwischen verschiedenen Ängsten differenziert, wird nicht ganz deutlich. Insofern verweise ich auf meine Erläuterungen zu den verschiedenen Formen von Angst. Ängste können Hinweise zu dem Bewusstseinszustand einer Person geben, sind aber kein Ausschlusskriterium für die herkömmliche Erleuchtung. Vielmehr beruht eine herkömmliche Erleuchtung ohne Angst vor allem auf einer weiblichen Erleuchtung mit fast vollständig abgetrenntem Ego oder einer männlichen Erleuchtung mit fast vollständig abgetrenntem Emotionalkörper.
  • Erkenntnisstärke: Matthias Pöhm misst beispielsweise Anssi Antila an dessen Fähigkeit, Zusammenhänge erklären zu können. Tatsächlich sind die Seelen, welche Erkenntnisstärke mitbringen, eher die Ausnahme. Alle Seelen, die den Liebesweg wählen, haben ihren Schwerpunkt im Gefühl mit Liebesheilung. Von den Seelen, die den Kraftweg wählen, haben die meisten einen körperlichen Schwerpunkt. Insofern zeigt dieser Anspruch von Matthias Pöhm an Erleuchtete lediglich, dass er selber über Erkenntnisstärke verfügt.

Hohe Erkenntnisfähigkeit kann auf dem vollständigen spirituellen Weg zu einer Stärke für die Person werden, aber auch zu einer Blockade. Deswegen sollte Matthias Pöhm seine Zielsetzung klären, was er erreichen möchte, denn es gibt für ihn drei Möglichkeiten.

  • Kritische Offenheit mit persönlichem Einlassen: Diese bringt ihn auf dem spirituellen Weg voran.
  • Kritische Offenheit als Beobachtung: Diese bringt ihm Informationen.
  • Kritische Verschlossenheit als Standpunktbehauptung: Diese wird zur spirituellen Blockade.

Offenheit bedeutet beispielsweise, auch das Wertvolle zu sehen.

Matthias Pöhm[2]: „… In einem seiner Videos auf YouTube sagt Anssi, dass man bei Wut, Ärger, Ängst usw „einfach“ … dem Gefühl „nicht davonlaufen“, sondern es voll durchleben soll, dann würde es nicht nur verschwinden, sondern sich sogar in Glückseligkeit verwandeln. … Es gibt kein Gefühl, das man einfach laufen lassen könnte, denn die Ursache sind immer GEDANKEN, die diese Gefühl aufrecht erhalten. …“

Die Aussage von Anssi Antila, dass sich durchlebte unangenehme Gefühle schließlich in Glücksgefühle verwandeln stimmt. Lässt man die Gefühle zu, gelangt man durch sie hindurch ins göttliche Bewusstsein mit den schönen Gefühlen. Die kräftigen unangenehmen Gefühle befinden sich im Ego, also nur in dem kleinen irdischen Ausschnitt des vollständigen transzendenten Bewusstseins. Allerdings hängt es vom Seelenalter und dem Ausmaß der Verletzungen ab, wie „dick“ die verletzte Strukturebenen-Schicht ist.

Ältere Seelen brauchen eine Spirituelle Psychotherapie (siehe auch Psychotherapie und Spiritualität) zur Heilung der Verletzungen. Insofern ist die Beobachtung von Matthias Pöhm zutreffend, dass diese Menschen in ihren Gefühlsmustern „hängenbleiben“ und sich „gar nichts tut“, wenn sie ihre Persönlichkeitsentwicklung nicht durch Spirituelle Psychotherapie unterstützen. Ältere Seelen entwickeln sich allmählich durch die Strukturebenen-Schicht hindurch ins Göttliche hinein. Bei mir selber als sehr alter Seele hat diese Persönlichkeitsentwicklung viele Jahre gedauert. Doch das Prinzip ist immer dasselbe: Durch die verletzten Gefühle hindurch gelangt man zur universellen Liebe.

Sind die Gefühle die eigentliche Ursache oder sind es die Gedanken? Dieses Gegeneinander von Matthias Pöhm und Anssi Antila erinnert mich an die überlieferte Geschichte von den Blinden mit einem Elefanten. Drei Blinde ertasten einen Elefanten, der Erste den Rüssel, der Zweite den Bauch und der Dritte die Beine. Dadurch geraten sie ins Streiten, wie ein Elefant aussieht.

Spirituelle Psychotherapie: Die innere Familie
Spirituelle Psychotherapie: Die innere Familie

Tatsächlich hängt es von der Persönlichkeitsstruktur ab, ob die Gefühle oder die Gedanken führen. Bei Innerer-Frau-Dominanz schaffen die Gefühle die Gedanken und bei Innerer-Mann-Dominanz die Gedanken die Gefühle. Die genauen Wirkmechanismen beschreibe ich in „Spirituelle Psychotherapie: Die innere Familie“ und stelle sie grafisch als psychotherapeutische Ansatzpunkte dar.

Menschen mit Erkenntnisstärke wie Matthias Pöhm verfügen über eine Innere-Mann-Dominanz, sodass er ganz richtig bei sich selber wahrnimmt, dass bei ihm auf der Strukturebene die Gedanken die Gefühle verursachen. Bei anderen Menschen ist es aber ebenso richtig genau anders herum.

Tatsächlich werden die übereinstimmenden Gedanken- und Gefühlsmuster einer Persönlichkeit aus der karmischen Bewusstseinsebene dahinter jeweils für das aktuelle Leben aufgebaut. Wie diese Zusammenhänge genau aussehen, erläutere ich in „Spirituelle Psychotherapie: Die innere Familie“.

Zu dem vollständigen Bewusstsein der transzendenten Menschen gehören der göttliche Bewusstseinsanteil, der irdische Bewusstseinsanteil als Ich-Bewusstsein und die Verbindung der göttlichen und irdischen Bewusstseinsanteile, welche den irdischen Bewusstseinsanteil ins Göttliche integriert. Erleuchtete lehren eine erweiterte Bewusstseinserfahrung gegenüber den nicht-erleuchteten Ego-identifizierten Menschen. Insofern können sie, auch wenn sie noch nicht am-Ziel-erleuchtet sind, erweiterte Bewusstseinserfahrungen anleiten und sind daher wertvoll für die spirituelle Entwicklung der Menschen.

Noch mehr zum Bewusstsein:
Das Bewusstseinsniveau von Eckhart Tolle
Die Weisheit des Spirituellen Lehrers Sri Chinmoy
„Halbzeit der Evolution“ von Ken Wilber
Wie sieht das neue Zeitalter aus?

Am-Ziel-ErleuchtungNeues Zeitalter als evolutionärer Bewusstseinssprung: Die geheilte und transzendierte innere Familie verbunden mit der herkömmlichen Erleuchtung als Am-Ziel-Erleuchtung

 

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[1] Spiritueller Blog, www.spiritueller-blog.com/die-macken-und-irrtuemer-der-erleuchteten (Stand 1/2018).
[2] Spiritueller Blog, www.spiritueller-blog.com/irrtuemer-kritik-an-anssi-antila (Stand 1/2018).